29. November 2021

EEG-KONTO: CORONA TREIBT DEFIZIT AUF 6,4 MRD. EURO

Covid-19 stellt das deutsche Modell zur Finanzierung der Energiewende auf eine harte Probe. Rund 6,4 Mrd. Euro Defizit verursachten die pandemiebedingten Strompreisverwerfungen allein im Jahr 2020 auf dem EEG-Konto. 

Der kontinuierliche Überhang an Ausgaben von März bis November brachte den Kontostand bis Ende Dezember auf ein historisches Minus von knapp 4,4 Mrd. Euro, geht aus Angaben der vier Übertragungsnetzbetreiber hervor. Demnach standen für das Gesamtjahr 24,5 Mrd. Euro an Einnahmen 30,9 Mrd. Euro an Ausgaben gegenüber.

Gemessen an der EEG-Kontobilanz 2019 stiegen die Gesamtausgaben, die zur Finanzierung der staatlich garantierten Einspeisevergütung für Erneuerbare dienen, um 12,2 Prozent oder knapp 3,3 Mrd. Euro. Mit verantwortlich dafür dürfte unter anderem der Ausbau kleinerer Dachsolaranlagen sein, die weiterhin staatlich garantierte Förderansprüche genießen. Dieses Segment erlebte 2020 einen deutlichen Aufschwung. Die Einnahmeseite des EEG-Kontos blieb indes nahezu stabil, weil der größte Einnahmeposten die EEG-Umlage ist.

Einnahmeseite knapp unter Vorjahresniveau

24,5 Mrd. Euro an Gesamteinnahmen in dem Jahr 2020 stehen 25 Mrd. Euro 2019 gegenüber. 2020 entfielen dabei 95 Prozent der Einnahmen auf die EEG-Umlage, während es im Vorjahr noch 91 Prozent waren. Dabei war der Kontostand auch 2019 schon unterm Strich rückläufig gewesen. Über das Jahr hatte sich der Kontostand mehr als halbiert, von knapp 5 Mrd. Euro im Januar auf rund 2 Mrd. Euro im Dezember. Während es 2020 in den zwei Monaten vor den ersten Coronamaßnahmen sowie im Dezember einen Einnahmeüberhang aufwies, waren es 2019 insgesamt vier Monate.

Handelserlöse um 28 Prozent eingebrochen

Der deutlichste Coronaeffekt auf das EEG-Konto 2020 zeigte sich wenig überraschend bei den Erlösen aus der Stromvermarktung an den Strombörsen (Day Ahead), die pandemiebedingt um 28 Prozent auf 1,05 Mrd. Euro absackten. Dabei sank der durchschnittliche Börsenpreis am Day-Ahead-Markt laut Bundesnetzagentur im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent. Dazu trug auch der Lockdown-bedingt niedrigere Nettostromverbrauch von Gewerbe und Industrie in Deutschland bei. Insgesamt sank der Stromverbrauch Deutschlands im Zuge der Pandemie um 3,2 Prozent. Diese Pandemiefolgen zwangen sowohl die Politik als auch die Übertragungsnetzbetreiber zum Handeln.

Bund und ÜNB reagieren mit Gegenmaßnahmen

Um die Strompreise für die Endverbraucher stabil zu halten, beschloss die Bundesregierung im Juni, die EEG-Umlage mittels eines staatlichen Zuschusses zu deckeln. Ohne den Zuschuss in Höhe von 10,8 Mrd. Euro aus dem Bundeshaushalt wäre die Umlage für 2021 um 2,9 Cent auf 9,65 Cent/kWh gestiegen. Stattdessen sinkt sie durch diese Maßnahme auf 6,5 Cent/kWh und im Folgejahr auf 6 Cent/kWh. Für die vier Übertagungsnetzbetreiber (ÜNB) wiederum erhöht sich mit der Entwicklung des Kontostands der Bedarf an Betriebskapital, weil sie den EEG-Ausgleichsmechanismus am Laufen halten. Entsprechend sicherten sich die Übertragungsnetzbetreiber frühzeitig kurzfristig verfügbare zusätzliche Finanzmittel. Im September bezifferten sie die für das neue Jahr zu erwartende Deckungslücke mit 21,6 Mrd. Euro. Die Kontoentwicklung befeuerte auch die Debatte um eine Umstellung des EEG-Ausgleichsmechanismus. So plädiert beispielsweise der Erneuerbarenverband BEE dafür, das Industriestromprivileg durch einen alternativen Ausgleichsmechanismus zu ersetzen.

Quelle: energate messenger

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