29. November 2021

Kleiner Exkurs zum Thema „Was ist ein Unternehmen?“

Wenn von einem Unternehmen gesprochen wird, ist dies eine sprachliche Vereinfachung für verschiedene Eigentumsverhältnisse. Als „Unternehmer“ werden alle Personen und Institutionen verstanden, die Kapital in Betriebe zur Gewinnerzielung investieren. In Kapitalgesellschaften überlassen die Kapitaleigner die Leitung der Unternehmen von ihnen bezahlten Managern – in einer Aktiengesellschaft sind dies die Vorstandsmitglieder. (Trifft für die ENTEGA AG zu.)

Was ist das Ziel der Unternehmer? Sie versuchen in jedem Jahr einen möglichst hohen Gewinn zu realisieren, um damit eine möglichst Rendite auf ihr eingesetztes Kapital zu erzielen. Dabei kommt es aber aus Sicht der Beschäftigten darauf an, möglichst viele finanzielle Mittel für Investitionen und Innovationen im Betrieb zu halten! Was heißt, der Großteil der Gewinne soll wieder im Betrieb eingesetzt werden und nicht an Gesellschafter und Aktionäre ausgeschüttet werden. In der Regel drängen in Aktiengesellschaften die Aktionäre auf eine möglichst hohe Ausschüttungsquote des erzielten Überschusses in Form von Dividenden. Soweit erst einmal die Fakten zu einer Aktiengesellschaft.

In Betriebsversammlung hört man ja oft „Wenn es dem Betrieb gut geht, geht es auch den Beschäftigten gut“ – so kann man es oft auf Betriebsversammlungen vom Personalchef hören. Das hört sich erst einmal super an, denn eine wirtschaftlich stabile Situation ist auch für die Beschäftigten günstiger als eine schlechte wirtschaftliche Lage, aber es spiegelt nicht die unterschiedlichen Interessen der Unternehmer und der Beschäftigten. Es wird versucht, den Beschäftigten nahezulegen, dass Unternehmer und Beschäftigte dieselben Interessen hätten, damit es dem Betrieb und den Beschäftigten gut geht. Deshalb wird den Beschäftigten in Tarifrunden nahegelegt, auf hohe Entgeltforderungen zu verzichten, weil diese die wirtschaftliche Situation des Betriebes beeinträchtigen können. Warum? Na klar, Höhere Entgelte führen letztlich zu niedrigeren Gewinnen für die Unternehmer.

Wenn Unternehmer im Betrieb versuchen, Personal abzubauen oder den Leistungsdruck zu erhöhen, tun sie dies, um die Gewinne zu erhöhen, was das Ergebnis einer gewinnorientierten Produktion in einer kapitalistischen Wettbewerbswirtschaft ist! Ein typischer Konflikt ist, wie schon angesprochen, das Thema Entgelt: Hier wünschen sich die Beschäftigten ein möglichst hohes, gleichmäßiges und stabiles Arbeitsentgelt auf der Grundlage von Flächentarifverträgen. Auf der anderen Seite, möchte der Unternehmer  ein möglichst niedriges Entgelt mit hohen variablen leistungs- und gewinnabhängigen Bestandteilen und möglichst viele Entgeltbestandteile auf freiwilliger Basis zahlen.

Aus der Interessenslage der Unternehmer müssen diese Gewinne erzielen, um im Wettbewerb mit anderen inländischen Konkurrenzunternehmen bestehen zu können. Für die Betriebsräte, Vertrauensleute und Belegschaften kann dies aber nicht heißen, dass sie diese Interessen der Unternehmer zu ihren eigenen Interessen machen!

Beschäftigte sollten sich zusammenschließen um sich in einer Gewerkschaft zusammenzuschließen, um so gegenseitige Konkurrenzsituationen zu überwinden und gemeinsam ihre Interessen gegenüber den Unternehmern wirkungsvoll vertreten zu können. Dies ist der Grundgedanke der Gewerkschaften.

Um Mitglied einer Gewerkschaft zu werden, muss man nicht jede gewerkschaftliche Position teilen. Es ist schlichtweg vernünftig, in eine Gewerkschaft einzutreten, weil gemeinsam mit vielen anderen Beschäftigten bessere Entgelt- und Arbeitsbedingungen durchgesetzt werden können, als dies ein Einzelner könnte.

Gewerkschaftliche Solidarität bedeutet, dass sich „die Starken“ und „die Schwachen“ gemeinsam für ihre Interessen gegenüber den Unternehmern einsetzen, um so bessere Entgelt- und Arbeitsbedingungen im Betrieb und in der Gesellschaft für alle zu erreichen.

Die praktische Erfahrung einer langjährigen Gewerkschaftsarbeit zeigt: Je mehr Mitglieder eine Gewerkschaft hat, desto einflussreicher ist sie, desto mehr kann sie durchsetzen. Dies gilt im einzelnen Betrieb, in Tarifrunden und in der Gesellschaftspolitik.

Dies soll ein Denkanstoß sein, um sich mit den unterschiedlichen Zielen der Unternehmer und der Beschäftigten auseinanderzusetzen!

Quelle: Gewerkschaft, ja bitte (Hartmut Meine)

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