26. November 2020

Kommentar zur Senkung der Eigenkapitalverzinsung

Die sich andeutende verschärfte Regulierung, auf die sich die Netzbetreiber einstellen müssen, birgt für die Beschäftigten von Strom- und Gasnetzbetreibern, ein erhebliches Risiko!

Die Bundesnetzagentur ermittelt für jede Regulierungsperiode die Höhe der Eigenkapitalzinssätze, welche den für die Netzbetreibern zugestanden Gewinn bestimmen. Anhand der bisherigen Berechnungssystematik lässt sich prognostizieren, dass für die 4. Regulierungsperiode mit einer erheblichen Reduktion der Eigenkapital-Verzinsung zu rechnen ist. Diese liegt in den historisch niedrigen Basiszinsen und der Stagnation der Marktrisikoprämie begründet!

Die Marktrisikoprämie wird aus den Kapitalmarktdaten hergeleitet!

Unter Anwendung des gefallenen Basiszinssatzes und Beibehaltung der in der dritten Regulierungsperiode angewandten Parameter zur Bestimmung der Eigenkapital-Zinssätze ergibt sich für die 4. Regulierungsperiode ein Eigenkapitalzins für Neuanlagen von 4,8%, Altanlagen würden nur noch mit 3,01% verzinst werden. Für die Netzbetreiber bedeutet dies ein durchschnittliche Absenkung der Rendite um 53% seit Beginn der Regulierung. Für die 5. Regulierungsperiode kann keine fundierte Aussage hinsichtlich der genauen Zinssatzentwicklung getroffen werden, jedoch ist bereits jetzt abzusehen, dass durch die weiterhin negative Entwicklung der Kapitalmarktzinsen und die noch nicht absehbaren Effekte der Corona-Pandemie auf die Zinsentwicklung, mit weiterhin stagnierenden EK Zinssätze zu rechnen ist.

Die Marktrisikoprämie muss im Hinblick auf die Corona-Pandemie überdacht werden!

Aufgrund der sinkenden EK-Verzinsung müssen sich die Stadtwerke zukünftig auf eine deutlich sinkende Rendite einstellen und sich schon heute damit auseinandersetzen, wie die Unternehmensstrategie in Zukunft aussehen könnte bzw. welche möglichen Maßnahmen frühzeitig umgesetzt werden können, um diesem Trend entgegenzusteuern. Aber genau hier liegt die Gefahr für die Beschäftigten von Strom- und Gasnetzbetreibern. Es könnte mit Gehaltseinbußen und Jobverlust einhergehen! Ebenso könnten die Investitionen in die bestehenden Netze und den Ausbau in die Zukunft der Energiewende ins Stocken geraten! Hier gilt es die Bundesnetzagentur auf diese negativen Auswirkungen aufmerksam zu machen.

In diesem Zusammenhang ist es unerlässlich diese Entwicklungen und die Auswirkungen auf künftige Ausschüttungen möglichst frühzeitig gegenüber den Gesellschaftern zu kommunizieren.

Eine sinkende Rendite hat zudem zur Folge, dass bisherige Unterdeckungen durch die in der Regel defizitären Sparten Breitband, Bäder und Verkehr nicht mehr durch eine hohe Marge der Strom- und Gasnetze gedeckt werden können und somit zu größeren Defiziten im Gesamthaushalt führt. Dies könnte auch die Motivation für den zukünftigen Ausbau von Smart-Grid oder das Vorantreiben der Energiewende abnehmen lassen und somit langfristig zu einem Innovationsdefizit bei den Stadtwerken beitragen.

Dies alles kann zu dramatischen Auswirkungen bei den Mitarbeitern und den zukünftig benötigten Mitarbeitern, die für die Energiewende benötigt werden führen. Dies darf nicht passieren. Die Bundesnetzagentur sollte sich auch gendanken bezüglich der Einordnung der Personal- und Personalzusatzkosten machen. Diese werden noch immer als beeinflussbare Kosten im Rahmen der Anreizregulierung gehandelt. Dies führt dazu, dass Einsparpotenziale und Kostendruck oft direkt an die Beschäftigten weitergegeben werden. Das ist falsch! Die Verhandlung von guten Tarifverträgen wird dadurch ebenso stark eingeschränkt, zum Nachteil der Beschäftigten.

Deshalb ist der (Brand-)Brief der Gewerkschaft ver.di an den Bundesarbeitsminister Altmaier nur zu unterstützen!

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