22. Oktober 2020

Stellungnahme der Gewerkschaft ver.di (Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz – KWKG)

Stellungnahme der Gewerkschaft ver.di
zum Referentenentwurf
für ein Gesetz für die Erhaltung, die Modernisierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz – KWKG)
vom 28. August 2015

Berlin, 7.9.2015

Die Gewerkschaft ver.di begrüßt den Referentenentwurf als deutliches Signal, um den Erhalt, die Modernisierung und den Neubau hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen auch in dem derzeit herrschenden schwierigen Marktumfeld für Strom zu ermöglichen. Damit wird die Position der Gewerkschaft bestätigt, dass hocheffiziente KWK-Anlagen insbesondere der allgemeinen Versorgung auch in Zukunft ganz wesentlich zum Erfolg der Energiewende beitragen werden, nicht zuletzt um mit ihrem flexiblen Einsatz bei zunehmend volatiler Erzeugung im Bereich der erneuerbaren Energien die notwendige Versorgungssicherheit mit Strom jederzeit herstellen zu können. Derartige KWK-Anlagen tragen ganz wesentlich auch dazu bei, die Klimaschutz-Ziele der Bundesregierung zu erreichen, auch indem sie im Wärmemarkt zunehmend Gas- und Öleinzelheizungen ersetzen.

Wesentliche Grundbestandteile des Entwurfes werden als zielführend angesehen und unterstützt. Um die ausreichende Förderung der KWK der allgemeinen Versorgung sicher zu stellen und damit der Intention des Entwurfes optimal gerecht zu werden, schlägt die Gewerkschaft ver.di einige Änderungen vor.

Auch der Koalitionsvertrag sieht die Notwendigkeit eines stärkeren KWK-Ausbaus vor dem Hintergrund der politischen Energieeffizienz- und Klimaschutzziele. Sie wurde auch im Ende letzten Jahres von der Bundesregierung verabschiedeten „Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz“ sowie im „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020“ erneut bestätigt. Im Koalitionsvertrag wurde auch das im derzeitigen KWKG vorangestellte Ziel, den Anteil der KWK an der gesamten Stromerzeugung bis 2020 auf 25 Prozent zu erhöhen, bestätigt. Die Gewerkschaft ver.di schlägt vor, dieses Ziel beizubehalten, allerdings angesichts der derzeitigen Situation auf dem Strommarkt für das Jahr 2022 anzustreben, wenn zahlreiche konventionelle ungekoppelte Kraftwerke vom Netz gehen werden (siehe unten Änderungsvorschlag A).

Insbesondere die Förderbedingungen für den Ausbau der Fern- und Nahwärmenetze und von Wärmespeichern erscheinen auskömmlich.

Mit der Ausweitung des jährlich für die KWK-Förderung zur Verfügung stehenden Maximalbetrages von derzeit 750 Millionen auf 1,5 Milliarden Euro trägt der Entwurf der Tatsache Rechnung, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen insbesondere von gasgefeuerten KWK-Anlagen deutlich verschlechtert haben, sodass trotz der Förderung im derzeitigen KWKG Modernisierung und Neubau keinen wirtschaftlichen Erfolg versprechen und deshalb weitgehend unterbleiben.

Durch die vorgesehene Förderung der nicht mehr in der Förderung nach dem derzeitigen KWKG befindlichen gasgeführten hocheffizienten KWK-Anlagen der öffentlichen Versorgung im Zeitraum von 2016-2019 in § 13 besteht die begründete Aussicht, dass deren Abschaltung aufgrund von mangelnder Wirtschaftlichkeit in diesem Zeitraum unterbleiben kann. Der Zuschlag sollte allerdings um 0,5 Cent pro Kilowattstunde erhöht werden. Der Zuschlag muss zudem auch für diejenigen hochmodernen Anlagen gezahlt werden, die bereits in Betrieb sind, die aber noch für eine Restzeit Anspruch auf Förderung nach dem derzeitigen KWKG haben. Diese Anlagen, die in den letzten Jahren in Betrieb gegangen sind, haben anders als abgeschriebene Altanlagen noch hohe Investitionskosten zu bewältigen und leiden besonders unter dem Verfall der Strompreise (siehe unten Änderungsvorschlag F). Ebenso wie die älteren Bestandanlagen werden sie trotz noch laufender Förderung derzeit fast ausschließlich im Wärmebetrieb im Winterhalbjahr eingesetzt und sind ohne weitergehende Förderung von der Stilllegung bedroht.

Auch steinkohlebetriebene KWK-Bestands-Anlagen können bereits heute nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden, sie tragen aber ebenfalls zur C02-Einsparung gegenüber getrennter Erzeugung im heutigen Mix bei. Für sie sollte ein Zuschlag in Höhe von 1 Cent pro Kilowattstunde gewährt werden, um ein vorzeitiges Abschalten zu verhindern (siehe unten Änderungsvorschlag F).

Die Umrüstung von kohlebetriebenen KWK-Altanlagen auf moderne gasgeführte Anlagen soll besonders gefördert werden (§ 7 Absatz 2 ) – insbesondere dadurch erwartet die Bundesregierung einen wesentlichen zusätzlichen Beitrag zur CO2-Reduktion, der sichern soll, dass die angestrebte Minderung des nationalen Kohlendioxidausstoßes bis 2020 tatsächlich erreicht wird. Diese zusätzliche Fördermöglichkeit ist zu begrüßen. Sie muss allerdings präzisiert werden (siehe unten Änderungsvorschlag D).

Es ist allerdings zu bezweifeln, ob die Förderbedingungen in § 7 Absatz 1 für den Zubau von gasgeführten KWK-Anlagen der öffentlichen Versorgung trotz Verbesserung der Förderbedingungen ausreichen, um einen wesentliche Zubau von KWK-Anlagen zu generieren. Eine mögliche Lösung, die hier vorgeschlagen wird, besteht darin, in § 8 Absatz 2 die Förderdauer, für die die Förderung gewährt wird, zu verlängern. Aus Gründen der Brennstoffneutralität sollte dieser Zuschlag auch für steinkohlebetriebene Anlagen gewährt werden (siehe unten Änderungsvorschlag E).

Der elektromobile öffentliche Verkehr ist Partner und Problemlöser bei der Energiewende und der CO2-Reduktion. Elektromobilität in Deutschland ist heute im Wesentlichen Mobilität mit städtischen Schienenbahnen und Eisenbahnen, die Länder wie auch Bundesregierung selbst fördern mit mehreren Projekten den Ausbau der Elektromobilität. Der öffentliche Nahverkehr spielt dabei auch eine wichtige Rolle beim Aufbau von Ladestationsnetzen. Schienenbahnen haben bereits mit Umlagen durch die EEG-Novelle 2014 erhebliche Mehrbelastungen in einer Größenordnung von 70 Mio. EUR/a. allein beim Fahrstrom stemmen müssen. Die im Referentenentwurf enthaltene Regelung würde weitere Mehrbelastungen hervorrufen. Im SPNV und im kommunalen ÖPNV gehen diese zu Lasten der Länder und der Kommunen, im Querverbundsmodell würden die kommunalen Stadtwerke im Rahmen des Verlustausgleiches von dieser Seite wieder belastet werden. Der öffentliche Verkehr sollte nicht noch weiter in seiner Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem motorisierten Individualverkehr (MIV) beeinträchtigt, sondern muss privilegiert behandelt werden.

Denn eine Energiewende ohne Verkehrswende zugunsten der öffentlichen Verkehrsmittel ist nicht möglich.

Daher lehnt ver.di die vorgesehenen Verzehnfachung des Schwellenwertes für die Inanspruchnahme eines ermäßigten KWKG-Zuschlags im Hinblick auf Schienenbahnen und Eisenbahninfrastrukturunternehmen ab. Zur Ermittlung des Schwellenwertes muss die besondere Struktur der Aufteilung in mehrere Unterwerke gerade im straßengebundenen Schienenverkehr des städtischen Nahverkehrs berücksichtigt werden.

Der Begriff der Abnahmestelle ist im KWKG-Entwurf ebenso wie im geltenden KWKG nicht definiert. Die Definition in § 2 Nr. 1 StromNEV eignet sich wegen der Besonderheiten des Schienenverkehrs nicht für die Schienenbahnen, da auf ein abgeschlossenes Betriebsgelände abgestellt wird, das beim Betrieb von Schienenbahnen, z. B. aufgrund der freien Beweglichkeit der Fahrzeuge im Netz, nicht gegeben ist.
Eine rechtssichere Definition der Abnahmestelle, die die Besonderheiten der Schienenbahnen berücksichtigt, ist erforderlich, da sich andernfalls in der praktischen Anwendung durch die Netzbetreiber Ungleichheiten und Wettbewerbsverzerrungen ergeben könnten, die den elektrischen Schienenverkehr als das umweltfreundlichste Verkehrsmittel strukturell benachteiligen könnten, was weder im Interesse der Energiewende noch der Klimaziele der Bundesregierung läge.
Zur Klarstellung werden die im EEG bereits vorhandenen sektorspezifischen Definitionen der Abnahmestellen durch statische Rechtsgrundverweisungen auf § 64 Abs. 6 Nr. 1 und § 65 Abs. 7 Nr. 1 EEG übernommen. Dies wird den Besonderheiten des Schienenverkehrs und der Eisenbahninfrastruktur gerecht und ist zudem bereits im EEG beihilferechtlich durch die EU-Kommission geprüft und bestätigt worden.

Zu den einzelnen Änderungsvorschlägen:

A Ziel des Gesetzes erhalten (§ 1)

Der § 1 Abs. 1 sollte folgenden Wortlaut erhalten:
(1) Das Gesetz dient der Erhöhung des Anteils der NettoStromerzeugung aus Kraft-Wärme-
Kopplungs anlagen (KWK-Anlagen) auf 25 Prozent an der regelbaren Nettostromerzeugung bis zum Jahr 2022 2020 im Interesse der Energieeinsparung sowie des Umwelt- und Klimaschutzes.

Begründung:

Die vorgesehene Revision der Berechnungsbasis für das 25-Prozent-KWK-Ausbauziel gegenüber dem derzeitigen KWKG ist zu kritisieren, aus drei Gründen:

Es ist ausreichend Ausbaupotential vorhanden
Durch die Veränderung der Bezugsgröße (Ziel wäre nicht mehr ein 25% KWK-Anteil an der Stromerzeugung = 150 TWh, sondern 25% an der regelbaren thermischen oder konventionellen (Rest-)Erzeugung + Biomasse = 115 TWh) würde das Ziel nahezu von selbst erreicht. Ein sinnvoller Ausbau der effizienten und klimafreundlichen KWK wäre damit behindert. Prognos hat in der im Auftrag des BMWi im Oktober 2014 vorgestellten Studie „Potenzial- und Kosten-Nutzen-Analyse zu den Einsatzmöglichkeiten von Kraft-Wärme-Kopplung“ demgegenüber noch deutliche Auspotentiale in Deutschland identifiziert – dies auch mit einem sehr hohen Anteil von volatilen erneuerbaren Energien in weiterer Zukunft.

KWK kann weiter deutlich zur CO2-Einsparung beitragen
Auch unter dem Aspekt des Klimaschutzes ist das KWK Ausbauziel in seiner bestehenden Fassung
weiterhin sinnvoll. Es ist mittlerweile unstrittig, dass KWK gegenüber der reinen Stromerzeugung erheblich CO2 einspart. Die Prognos-Studie stellt fest: „Bereits heute spart die KWK gegenüber der ungekoppelten Strom- und Wärmeerzeugung rund 56 Mio. Tonnen CO2 ein. Bei einer Erschließung weiterer KWK-Potenziale sind gegenüber heute weitere Einsparungen möglich, auch wenn das zukünftige Stromerzeugungssystem durch den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien geprägt sein wird.“
Werden also bereits bei einem derzeitigen KWK Anteil von 16,2% an der Stromerzeugung jährlich 56
Mio. t CO2 eingespart, so wären dies bei Erreichen des KWK-Ziels von 25% mehr als 86 Mio. t, d.h. bis
2020 könnten im Jahr mehr als 30 Mio. t CO2 zusätzlich eingespart werden.

Versorgungssicherheit erfordert weiteren KWK-Ausbau
Schließlich ist auch das Argument, ein weiterer forcierter KWK-Ausbau würde die vorhandenen Überkapazitäten zementieren, zu problematisieren. So geht beispielsweise die BNetzA in ihren Annahmen zur Kapazitätsentwicklung im Netzentwicklungsplan 2014 davon aus, dass Anfang/Mitte der 2020er Jahre marktgetrieben zahlreiche Kraftwerke außer Betrieb gehen und neue Kapazitäten benötigt werden. Verglichen mit den BNetzA Prognosen für die zukünftige Jahreshöchstlast wird deutlich, dass Deutschland zunehmend Schwierigkeiten bekommt, seinen Strombedarf aus eigener Produktion zu decken. Dabei geht die BNetzA noch davon aus, dass das 25% KWK-Ausbauziel erreicht wird. Wäre dies nicht der Fall – so wie im Entwurf vorgeschlagen – würde die Erzeugungslücke noch einmal deutlich größer werden. Dies macht deutlich, dass
es auch unter dem Gesichtspunkt der Versorgungssicherheit in Deutschland geboten ist, am
bestehenden KWK-Ausbauziel festzuhalten.

Aus den oben genannten Gründen sollte prinzipiell zwingend am Ausbauziel, wie in § 1 des geltenden KWKG geregelt, festgehalten werden. Hingegen ist zu empfehlen, dieses Ausbauziel flexibilisiert anzustreben, um so auch gleichzeitig die Kostenbelastung der Verbraucher zu minimieren. Legt man die heute notwendige Planungs- und Genehmigungsvorlaufzeit für KWK- Anlagen zu Grunde, könnten der Großteil der neuen KWK-Anlagen genau zum Zeitpunkt des endgültigen Kernenergieausstieges im Jahr 2022 zur Verfügung stehen, womit sich ein „fließender“ koordinierter Übergang ergibt.

B Brennstoffneutralität prinzipiell bewahren

Der § 1 Absatz 2 sollte folgenden Wortlaut erhalten:

(2) Dieses Gesetz regelt

1. die Abnahme von KWK-Strom aus KWK-Anlagen, der auf Basis von Steinkohle, Abfall, Abwärme, Biomasse, gasförmigen oder flüssigen Brennstoffen gewonnen wird,
2. die Zahlung von Zuschlägen der Netzbetreiber sowie die Vergütung für KWK-Strom aus neuen, modernisierten und nachgerüsteten KWK-Anlagen, der auf Basis von Abfall, Abwärme, Biomasse, gasförmigen oder flüssigen Brennstoffen gewonnen wird,
3. die Zahlung von Zuschlägen der Netzbetreiber für KWK-Strom aus bestehenden KWK-Anlagen, der auf Basis von Steinkohle und Erdgas gewonnen wird,

Begründung:

Wird die Förderung wie im Gesetz vorgesehen auf hocheffiziente KWK-Anlagen der allgemeinen Versorgung begrenzt, ergibt sich gegenüber dem heutigen Strommix mit einem hohen Anteil an ungekoppelten Kohleanlagen auch im Vergleich zu kohlegefeuerten KWK-Anlagen immer ein Klimaschutz-Vorteil. Dieser Vorteil der Kohle-KWK-Anlagen wird sich allerdings in Zukunft verringern, wenn der Anteil der Residuallast, die mittels Kohlekraftwerken erzeugt wird, sinkt. Eine Förderung von Kohle-KWK-Bestandsanlagen für den vorgesehenen Zeitraum ist aber für den vorgeschlagenen Zeitraum sinnvoll und sachgerecht. Sie muss allerdings an die wirtschaftliche Situation der Anlagen angepasst werden, kann also geringer als bei Gas-Anlagen ausfallen.

C Erweiterung der Förderung für neue, modernisierte oder nachgerüstete KWK-Anlagen

Der § 6 (Absatz 1) sollte folgenden Wortlaut erhalten:

(1) Betreiber von neuen, modernisierten oder nachgerüsteten KWK-Anlagen haben gegenüber dem Netzbetreiber, mit dessen Netz ihre KWK-Anlage unmittelbar oder mittelbar verbunden ist, einen Anspruch auf Zahlung eines Zuschlages für KWK-Strom nach Maßgabe der Absätze 2 bis 5 sowie der §§ 7 bis 11, wenn
1. die Anlagen bis zum 31.Dezember 2020 2022 in Dauerbetrieb genommen wurden,
2. die Anlagen Strom auf Basis von Abfall, Abwärme, Biomasse, gasförmigen oder flüssigen Brennstoffen gewinnen,

Begründung:

Aus Gründen der Planungssicherheit sollte die Förderung bis 2022, also bis zum avisierten Erreichen des 25%-Zieles, bereits heute zugesichert werden.

D Zuschlag für den Ersatz von Kohle-KWK präzisieren (§7 Absatz 2)

Der § 7 Abs. 2 sollte folgenden Wortlaut erhalten:

(2) Der Zuschlag für KWK-Strom nach Absatz 1 Nummer 4 erhöht sich um weitere 0,6 Cent je Kilowattstunde für den Leistungsanteil, der die KWK-Leistung einer bestehenden KWK-Anlage ersetzt, die Strom auf Basis von Stein- oder Braunkohle gewinnt. Ein Ersatz im Sinne von Satz 1 liegt vor, wenn

1. der die bestehenden KWK-Anlage die Erzeugung innerhalb von 12 Monaten ab Aufnahme des Dauerbetriebs der neuen, modernisierten oder nachgerüsteten KWK-Anlagen endgültig stillgelegt wird werden und
2. die bestehende KWK-Anlage mehrheitlich im Eigentum desselben Unternehmens steht, das die neue, modernisierte oder nachgerüstete KWK-Anlage betreibt oder die neue, modernisierte oder nachgerüstete KWK-Anlage in dasselbe Wärmenetz einspeist, in das die bestehende KWK-Anlage eingespeist hat.
Die neue, modernisierte oder nachgerüstete KWK-Anlagen, welche Dampferzeuger einer bestehenden KWK-Anlage ersetzt, muss nicht am gleichen Standort errichtet werden.

Begründung:

Die Vorschrift des § 7 Abs. 2 regelt den klimapolitisch motivierten Zuschlag für den Ersatz
von Kohle-KWK-„Anlagen“. Der Zuschlag setzt u.a. voraus, dass die bestehende Kohle-KWK-
„Anlage“ spätestens 12 Monate nach Aufnahme des Dauerbetriebs der Ersatzanlage endgültig
stillgelegt wird (§ 7 Abs. 2 Ziff. 1).

Aufgrund des BImSchG vorgeprägten sehr weiten Anlagenbegriffs würde sich die vom BMWi prinzipiell richtige Voraussetzung der vollständigen Erzeugungseinstellung der bestehenden Kohle-KWK-Anlage auch auf die klimapolitisch irrelevanten Nebenanlagen, wie z.B. Schornsteine oder Hallen, erstrecken. Diese sollten jedoch sinnvollerweise durch die Ersatzanlage weitergenutzt werden können.

Maßgeblich für die klimapolitisch relevante CO2-Reduktion ist jedoch der Ersatz der kohlegefeuerten Dampferzeuger in KWK-Anlagen. In Kohlekraftwerken gibt es nur Dampferzeuger. Die vorgeschlagene Alternativformulierung ist somit eindeutig und erfüllt den vom Gesetzgeber verfolgten Zweck, ohne über das Ziel hinauszuschießen. Die Formulierung im Plural berücksichtigt u.a. Sammelschienenkraftwerke oder KWK-Blöcke mit mehr als einem Dampferzeuger.

Maßgebliche Bemessungsgröße für die CO2-Reduktion ist das Verhältnis der Feuerungswärmeleistung der neuen Anlagen und des ersetzten Dampferzeugers.Eine entsprechende Formel kann in einem Anhang des Gesetzes niedergelegt werden. Definitionen des Immissionsschutzrechts sollten zur Anwendung gelangen.

Die Förderung wird damit sachgerecht auf die maximale KWK-Stromleistung der neuen Anlage begrenzt.

E KWK-Neubau wirksam anreizen (§ 8 Abs. 2 )

Der § 8 Abs. 2 sollte folgenden Wortlaut erhalten:

(2) Für neue KWK-Anlagen mit einer elektrischen Leistung von mehr als 50 Kilowatt wird der Zuschlag für 30 000 40 000 Vollbenutzungsstunden ab Aufnahme des Dauerbetriebs der Anlage gezahlt.

Es ist unstrittig, dass der KWK Neubau in der öffentlichen Versorgung ohne eine Erhöhung der Neubaufördersätze nicht wirtschaftlich möglich ist. Der Entwurf sieht eine Anhebung des Fördersatzes für den Leistungsteil über 2 MW von 1,8 Cent/kWh auf 3,1 Cent/kWh vor. Hierdurch wird jedoch voraussichtlich kein wirksamer Anreiz zum KWK-Neubau gesetzt. Das Prognos-Gutachten empfiehlt dagegen, den Fördersatz für die öffentliche Versorgung auf 4 bis 6 Cent/kWh anzuheben. Um die Effizienz- und Klimaschutzpotentiale der KWK zu heben und gleichzeitig die jährliche finanzielle Belastung der Endkunden zu minimieren, sollte die bislang unzureichende Anhebung des Fördersatzes für Neuanlagen der öffentlichen Versorgung durch eine Streckung der Förderdauer von derzeit 30.000 Vollbenutzungsstunden auf 40.000 Vollbenutzungsstunden ausgeglichen werden. Durch die Streckung der Förderdauer muss auch der Gesamtförderdeckel von 1,5 Mrd. Euro pro Jahr nicht angehoben werden. Bei einer durchschnittlichen jährlichen Laufzeit von 4000 bis 5.000 Vollbenutzungsstunden würde die Förderdauer voraussichtlich acht bis zehn Jahre betragen.

F Moderne Bestandsanlagen sichern (§ 13 Absatz 1)

Der § 13 Abs. 1 sollte folgenden Wortlaut erhalten:

(1) Betreiber von bestehenden KWK-Anlagen mit einer elektrischen KWK-Leistung von mehr als 2 Megawatt haben gegenüber dem Netzbetreiber einen Anspruch auf Zahlung eines Zuschlags für KWK-Strom nach Maßgabe der Absätze 2,3 und 4, wenn

3 die Anlagen Strom auf Basis von Erdgas und Steinkohle erzeugen,
4 die Anlagen nicht durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz und ansonsten nicht mehr durch das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz gefördert werden und
(2) ….
(3) Der Zuschlag beträgt 2,0 Cent pro Kilowattstunde für gasgefeuerte Anlagen und
(4) 1,0 Cent für steinkohlegefeuerte Anlagen.

Begründung:

Hochmoderne KWK-Anlagen, die in den letzten Jahren in schwierigem wirtschaftlichen Umfeld errichtet wurden und die derzeit noch in der Förderung nach dem geltenden KWKG sind, haben besonders unter den sich weiter verschlechternden Bedingungen am Strommarkt zu kämpfen. Die im bestehenden KWKG zugestandene Gesamtförderung wurde auf Basis der damals zu erwartenden, vergleichsweise hohen Stromerlöse berechnet. Weil sich die Erlössituation in der Zwischenzeit aber drastisch verschlechtert hat, ist es sachgerecht, diese Anlagen zusätzlich in die Bestandsförderung aufzunehmen.

Der Börsenstrompreis ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken, von knapp 60 Euro/MWh im Jaher 2012 auf heute weniger als 30 Euro (Baseload). Dies führt dazu, dass gasgeführte KWK-Anlagen derzeit nicht mehr wirtschaftlich gefahren werden können, wie bereits das Prognos-Gutachten zum KWKG-Monitoring aus dem Jahr 2014 feststellt. Der Trend, den das Gutachten beschreibt, hat sich in der Zwischenzeit weiter verschärft, deshalb ist eine Anhebung des vorgesehenen Fördersatzes von 1,5 auf 2 Cent/KWh angemessen.

Bei den Steinkohle-KWK-Anlagen ist der Trend weniger ausgeprägt, einige hochmoderne Anlagen können derzeit noch ausreichende Deckungsbeiträge erwirtschaften. Bei weiter anhaltendem niedrigem Strompreisniveau ist jedoch zu befürchten, dass diese Anlagen spätestens dann stillgelegt werden, wenn kostenintensive Wartungs- und Modernisierungsmaßnahmen anstehen (Revisionen etc.). Deren Bestandsförderung kann allerdings moderater ausfallen als bei den gasbetriebenen Anlagen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.